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Xi'an

Donnerstag, 12.08.2010

 

Ort: Xi'an

Nach unserer schlaflosen Nacht, trudelten wir, zu unserer aller Erleichterung, mit Verspätung in Xian ein. Dort erwartete uns schon Tom alias Daniel, unser immer freundlicher und geduldiger Tourguide. Die angespannte Gefühlslage, ließ sich mit einem heißen Kaffee und einem kleinen Frühstück bei einer wohl auch in China bekannten Fastfoodkette, besänftigen. Halbwegs gestärkt fuhren wir mit Daniel zur Terrakotta-Armee begleitet von einem heftigen Wolkenbruch. Zuerst wurden wir durch die Manufaktur geführt und anschließend in die Verkaufshallen. Bei den originalen Terrakottasoldaten angekommen, empfingen uns schon beim Ausstieg aus dem Bus freundliche und geschäftige Schirmverkäufer, die bei gutem Wetter mit Sicherheit auch Sonnenbrillen im Angebot haben. Die Ausgrabungshallen hinterließen trotz Müdigkeit einen bleibenden Eindruck. Und Daniel kannte auf wirklich jede Frage eine Antwort. Nun waren wir reif für das Hostel in Xian und eine frische Dusche. Wir wurden nicht enttäuscht. Mitten im Zentrum und unweit der alten Stadtmauer gelegen, erschien uns das von außen unscheinbar wirkende Hostel wie eine langersehnte Oase. Frisch geduscht und kurz Kraft getankt, ging es zum gemeinsamen Abendessen, in ein von Hongke empfohlenes Restaurant. Es hat sich gelohnt!

 

Freitag, 13.08.2010


Ort: Xi'an

Am sechsten Tag der Chinareise fuhren wir gewohnter Weise mit einem Bus ins Land hinaus zu der Tang-Kaiser Totenhaus. Es heißt Qian Ling und war 683 begonnen, nachdem Gaozongs Zeit war verronnen. Nachdem wir geschlafen und ausgeruht war es für Alle wieder gut, um zehn der Bus vor der Türe stand, und fuhr uns nordwestlich ins Shaanxi-Land. Der brave Guide sprach recht gut chenglisch, erklärte Dinge, die verfänglich, zum Beispiel, dass Prinzessin Yongtai fürs Ausplaudern von Skandalen bestraft worden sei, die sich im Harem zugetragen, dafür habe man sie totgeschlagen. In Wahrheit hat ihre Oma sie gekillt, da Wu Zetian nicht war gewillt, von ihrer Enkelin Konkurrenz zu bekommen, da sie selber den Thron hat‘ erklommen, um als einzige Kaiserin China zu regieren, nachdem ihr Mann Gaozong nach schieren 34 Jahren war verschieden und ein Grab erhielt hinieden. Dahin tut schnurg’rad ein Seelenweg führen, mit monumentalen Menschen und Tieren, die als Steinstatuen sind das Spalier, Pferde mit Führern, gar Straußengetier. Weiter oben Figuren standen von 61 Auslandsgesandten, deren Köpfe sind abgeschlagen, warum, das weiß jedoch niemand zu sagen. Wir haben uns ganz frech dahinter postiert, der Chenglisch-Guide hat uns fotografiert. Danach haben wir der Prinzessin Grab noch gesehen, die so früh, mit 17, starb und so schön. Fresken schmücken den Gang in die Tiefe, als ob das Leben nochmal zurück sie riefe: Hofdamen, nach neuester Mode geputzt, deren Frisuren gesteckt und gestutzt. Ganz unten der Verblichenen Sarg, groß wie ein Zimmer, dunkel war’s arg, die Bilder drauf wurden mit Blitzlicht erhellt, damit man sich auch was drunter vorstellt. Nachdem so mancher gegessen ‘nen Cake, der Führer schlug vor den lokalen „snake“, worauf so manchem wurde bange, ob jetzt serviert würd‘ eine Schlange, doch bald war alle Angst hinweg: er brachte uns zu einem Snack. Nach Nudeln und Suppe fuhren wir denn zum alten Kloster von Famen. Dort verehrt man Buddhas Finger, weshalb der Wert ist kein geringer dieser Pagode, die schon sehr alt, in der seit 150 Buddhas Lob erschallt und bedeutend wurde ab dem 6. Jahrhundert, was jedoch gar nicht verwundert, da Kaiser Wendi die Fingerknochen dorthin holte, die Buddhas Leichenfeuer nicht ganz verkohlte. Die Tang-Kaiser, deren Gräber wir schauten, fromm auf den Buddhismus bauten. Ab dem 7. Saeculum nach Famen sie wallten, um dort feierlich Anbetung zu halten. Die Sensation war dann perfekt, als 1987 ward entdeckt, was bis dahin nur Glaubenssatz war: vier Fingerknochen boten sich dar. Im Museum finden sich kostbarste Objekte, die man mit ihnen in einer Krypta versteckte. Diese wurde zufällig decouvriert, als man die Pagode drüber renoviert. Sie ist heute ein großer Ziegelbau, würdig in ihrem Braun und Grau, daneben doch gibt’s ein Heiligtum, modern erbaut zu Buddhas Ruhm: mehr als 1 km die Straße misst, die dem Riesen-Karo vorgelegt ist. Nach einem Eis zurück dann ging die Fahrt, abends gab’s Maultaschen nach lokaler Art. Gleisnosts Spende noch wurde begossen, bis allen sich die Augen schlossen. Martin Staszak OP

 

Samstag, 14.08.2010


Ort: Xi'an - Hongkes Dorf

Nach einer relativ kurzen und unterhaltsamen Nacht, sind wir zu früher Stunde aufgestanden, um um 6.45 Uhr die Laudes zu beten – in unserer kleinen Zimmer-Hauskapelle. Der Samstag begann mit einem chinesischen Frühstück. Hongke nahm uns mit in die Stadt und wir aßen eine Art Pfannkuchen mit Rindfleischfüllung. Da die letzten Tage sehr anstrengend waren entschieden sich manche dazu, ins Hostel zurück zu gehen um Kraft zu tanken. Der Rest von uns entschied sich dafür das muslimische Viertel zu erkunden. Souvenirs wurden eingekauft und wir konnten die Moschee bewundern. Um halb 12 ging es dann per Taxi Richtung Busbahnhof. Nach langer Diskussion konnte uns Hongke sogar einen großen Bus organisieren und so verlief die Fahrt zu seinem Dorf recht entspannt. Kurz vor der Ankunft verließen unsere chinesischen Mitfahrer den Bus und stiegen um, sodass wir bis ins Dorf gefahren wurden. Dort erwartete uns eine kleine Überraschung: Die ortsansässige Blaskapelle empfing uns gebührend mit einem Ständchen. Hongke und wir wurden von seiner Familie und Freunden freundlich und herzlich begrüßt und es bot sich ein rührendes Bild der vereinten Familie, nachdem Hongke seine Liebsten drei Jahre lang nicht gesehen hatte. Wir gingen zum Hause Li, wo uns eine leckere Nudelsuppe mit viel Nachschub erwartete. Danach wurden wir in die umliegenden Häuser der Verwandten aufgeteilt, beispielsweise zum Bruder. Wir erhielten die auf Hochglanz polierten Zimmer, die von der Familie für die zwei Tage geräumt wurden. Nach einer kurzen Pause und dem Einüben einiger Lieder machten wir uns auf den Weg zur Dorfkirche. Dort bot sich uns ein völlig anderes Bild, als wir von europäischen Kirchen gewohnt waren. Der Altarraum war sehr bunt mit Blumen und Lichtern dekoriert, die in allen Farben leuchteten und blinkten. Wir lauschten den Gesängen und Gebeten der Dorfbewohner, bevor der eigentliche Gottesdienst begann, den die beiden chinesischen Priester mit Martin zusammen zelebrierten. Auch im Gottesdienst stießen wir auf unbekanntes Christentum. So spielte während des Hochgebets die Blaskapelle eher laute als besinnliche Musik und auch zur Kommunion ertönten schallende Klänge. Anschließend ging es zum Abendessen. Nach einer kleinen Stärkung mit Melone und Milchbrötchen gingen wir wieder in Richtung Kirche. Da es schon dunkel war, wurden wir mit Hilfe von Taschenlampen über die matschige Straße geführt. Auf dem Kirchplatz erwartete uns eine Menschenmasse, die auf uns wartete. Nachdem wir auf Bänken Platz nehmen durften, begann das Fest. Über circa zwei Stunden wurden uns Tänze, Gesang und Schauspielerei präsentiert. Auch wir durften zwei Lieder zum Programm beisteuern und bekamen dafür reichlich Applaus gespendet. Nach dem abwechslungsreichen Abend fielen wir müde ins Bett, da wir am nächsten Tag früh zum Festgottesdienst aufstehen mussten.

 

Sonntag, 15.08.2010


Ort: Hongkes Dorf

Wer sich über frühe Messzeiten in Deutschland beschwert, der sollte nicht in China wohnen. Am Sonntag gingen wir um sieben Uhr los in Richtung Kirche. Die Gebete und Gesänge hatten schon um sechs Uhr in der Frühe begonnen, wir kamen jedoch immer noch eine halbe Stunde vor Beginn des eigentlichen Festgottesdienstes zu Maria Himmelfahrt. Auch diese Messe steckte voller Überraschungen. Zur Wandlung wurden keine Glocken geläutet, sondern Silversterkracher gezündet und die Blaskapelle schmetterte ein flottes Ständchen. Martin durfte bei dieser großen Feier sogar die Predigt halten ( Hongke übersetzte), was mit großem Beifall seitens der chinesischen Gemeinde aufgefasst wurde. Nach der Messe gab es einen Brunch beim Haus von Hongkes Eltern. Es gab eine Vielzahl von verschiedenen Speisen, welche durch einen ehemaligen 4-Sternekoch zubereitet wurden ( kein Scherz ! ). Im Anschluss gab es die Bescherung. Kreuze, Papstbilder deutscher Wein und deutsche Schokolade – worüber sich besonders die Kinder freuten – wurden überreicht. Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung. Viele nutzen das Angebot und begaben sich in Morpheus Arme, da mittlerweile viele von uns durch die Klimaanlagen geschädigt waren und somit mit Erkältungen und teilweise sogar Fieber zu kämpfen hatten. Auch das chinesische Essen machte sich langsam in unseren europäischen Mägen bemerkbar ( auf detaillierte Beschreibungen des Krankheitsverlaufs wird aus Pietät verzichtet ). Gegen 4 Uhr stand der nächste offizielle Programmpunkt an – „Vesper“. Wer hier an ein leckeres deutsches Abendbrot dachte, lag komplett falsch. Es ging erneut Richtung Kirche, wo uns die chinesische Ausgabe eine „Vesper“ erwartete. Zum Abendprogramm gibt es nicht mehr viel zu berichten. Es gab noch ein flottes Abendessen und dann hieß es ab ins Bett für die Meisten, da am nächsten Tag die Reise von Hongkes Dorf nach Peking anstand.