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Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn Teil 2

Sonntag, 29.08.2010

 

Ort: Irgendwo zwischen Irkutsk und Sima

Heute war der (wettermäßig) schönste Tag, den wir in Irkutsk verbringen durften. Unser Timing war perfekt: Bei Morgennebel packten wir unsere Habseligkeiten im Hostel zusammen, duschten in der richtigen Reihenfolge nach dem am Vorabend ausgeklügeltem Duschplan ein letztes Mal vor der Transsib, und konnten dann mit blauem Himmel und Sonnenschein in den Tag starten. Die 6 Stunden, die wir noch hatten, bevor wir uns wieder im Hostel treffen wollten, nutzten die einen zum Sonnenbaden und in der Angara waten, die anderen bei einer Bummelbahnfahrt auf der Insel der Jugend. An der Angara konnte man nun auch sehen, was die Einheimischen an einem schönen Sonntagmittag unternehmen: Jetski fahren, neben Diskomukke aus dem Autoradio mit einigen Bieren unter einem Baum fläzen, in der Angara angeln, picknicken, oder Boot fahren. Auch für ein letztes Gespräch mit unserer australischen Bekanntschaft Barry war natürlich noch Zeit. Von ihm hatten wir viel über Irkutsk erfahren können: Er war insgesamt schon 5 mal dort, sowie auch an den meisten anderen Orten der Welt. Um halb 5 trafen wir uns dann erneut am Hostel, um unser Gepäck vom Balkon, wo wir es lagern durften, zu holen. In Grüppchen machten wir uns auf zum Bahnhof, und warteten dort gespannt im Wartesaal auf die Ankündigung unseres Gleises. Mit 25 Minuten Verspätung rollte dann endlich die Nummer 1 "Rossija" (=Russland) in den Bahnhof ein. Die Abteilverteilung war schon am Abend davor geklärt worden, und alle bezogen recht schnell ihre Abteile. Erfreut erkannten wir, dass die Abteile genau gleich wie im letzten Zug waren, sogar noch etwas besser: schönere (aber ohrenbetäubende) Toiletten (die nicht mal während der Halte abgeschlossen wurden), Steckdosen in jedem Abteil und etwas mehr Stauraum unter den Betten. In Sima (russ. für Winter) fand unser erster Halt um 11 Uhr abends Ortszeit statt. Die Schnellen unter uns konnten noch ein paar Kartoffeltaschen von den allgegenwärtigen Babushkas erhaschen, andere versuchten erneut die Fenster zu putzen, was aber leider aufgrund der Höhe misslang. Der Rest des Abends verlief sehr gemütlich, wie alles in der Transsib: lesen, rätseln, reden, und etwas Wodka trinken. Allerdings war die Menge an Wodka nicht die erheiternde Menge, sondern eher die einschläfernde, sodass manche auch in fremden Abteilen ihre vorläufige Ruhe fanden.

 

Montag, 30.08.2010

 

Ort: Irgendwo zwischen Irkutsk und Novosibirsk

Nach einer nicht sehr schlafintensiven Nacht konnten wir einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten. Im Laufe des Vormittags wurden wir alle etwas unruhig und nervös, da auf unseren Tickets "Bettplatz mit Zuschlag" stand, was für uns bedeutete: mit Essen. Da die Mittagsessenszeit näher rückte, und wir vermuteten ohne Beschwerde unser gebuchtes Essen nicht zu bekommen, beschlossen wir nachzufragen. Dank Miris inzwischen grandiosen Russisch-Kenntnissen (und einem dicken Russischwörterbuch) konnten wir unseren Zugbegleitern verständlich machen, was "mit Zuschlag" bedeutet. Olga und Vladimir ließen sich nach einigem Hin und Her und dem Vergleich mit anderen deutschen Zugtickets überzeugen, dass uns tatsächlich mehr zustand. Schon nach einer halben Stunde bekamen wir unser erstes Paket: jeder erhielt eine Tüte mit schicken roten Designerpantoffeln aus Papier in Einheitsgröße (schätzungsweise 47), Zahnbürste und Schuhlöffel. Davon wurden wir leider nicht satt. Umso glücklicher waren wir, als nach weiterem mehrmaligem Nachfragen gegen 14 Uhr endlich das ersehnte Mittagessen inklusive Galadiner-Plastikbesteck eintraf. Von unserem blonden Engel wurde uns sogar das Frühstück mit leckeren Neapolitanern und Kräckern direkt ins Abteil nachgeliefert. Auf einen Zwischenstopp zur Errichtung eines Miri-Denkmals verzichteten wir aus Zeitgründen und beliessen es bei einem einfachen Hipp Hipp Hurra, um nach diesem spannenden Tages-Highlight schnell wieder in den Transsib-Trott (Lesen, Essen, Schlafen, Kniffeln) zu verfallen. Mit allen Kräften versuchten wir uns bis um 11 Uhr nachts wachzuhalten, was uns schwer fiel, da unser Tag aufgrund der Durchquerung 2er Zeitzonen 26 Stunden hatte. Das Warten lohnte sich: pünktlich erreichten wir den Nowosibirsker Bahnhof, der zu den schönsten auf der Transsibstrecke zählt.

 

Dienstag, 31.08.2010

 

Ort: Irgendwo zwischen Novosibirsk und Perm'

Nach Schlafesruh -beim Rattern fallen schnell die Augen zu- sind wir am nächsten Morgen wieder erwacht. In Omsk waren wir zu früher Stundeals der Tag war noch Nacht. Bald verbreitete sich die frohe Kunde: Frühstück aus dem Speisewagen -ja was soll man da noch groß sagen – In Isim hatten wir heute unseren ersten Halt und sahen Stadt und Häuser und noch viel Wald. Wir streckten oder sonnten uns, jeder bekam seinen Wunsch. Nach ungefähr 20 Minuten waren wir gebeten, den Wagen aufzusuchen. Wir fuhren weiter durch das Land und gaben uns die Klotür in die Hand. Die Birken standen dicht, manchmal bekamen wir Feuerstellen zu Gesicht. Nach ernsthaften Diskussionen konnten wir in Tjumen uns erholen. Mittags gab es wieder Lachs als Vorgericht, dann waren Nudeln aufgetischt. Die Zeit verging manch einem lang, anderen wiederum wurde ganz bang. Nach fast vier Wochen hatten wir frischen Wind gerochen. Doch bald heißt es zurück in den Alltag ob es oder ob es nicht belieben mag. In Ekaterinburg hatten wir noch asiatischen Boden unter den Füßen, doch bald ließ Europa herzlich grüßen. Bei Kilometer tausendsiebenhundertsiebenundsiebzig stand der Grenzstein ganz weiß und wichtig. Jetzt fuhren wir ins Gebirge des Ural und dachten an ein Schwarzwaldtal. In Perm uns europäische Kälte empfing und doch noch Feuerluft im Himmel hing. Hell erstrahlt war der Rauch und Flammen sahen wir auch. Jetzt war die letzte Nacht im Zug gekommen manche hatten sich zur Feier ein Bierchen genommen. Ob traurig oder froh – morgen sind wir in Moskow. Ich aber bin happy und smile, denn wir fahren noch eine Weil. RN

 

Mittwoch, 01.09.2010

 

Ort: Irgendwo zwischen Perm' und Moskau

Es waren einmal sechzehn KHGler, die waren schon sehr, sehr lange unterwegs. An diesem Tag sollten sie ihren letzten stop erreichen, bevor sie in den Flieger steigen und wieder zurück in ihr normales Leben kehren sollten. Den ganzen Morgen, den ganzen Tag und auch noch den ganzen Nachmittag verbrachten sie in ihren Abteilen in der Transsibirischen Eisenbahn. Wenn sie nicht schliefen, aßen sie. Wenn sie nicht aßen, spielten sie. Wenn sie nicht spielten, unterhielten sie sich und wenn sie sich nicht unterhielten, dann schauten sie zum Fenster hinaus. Manch einer mag sagen, die Landschaft habe sich nicht groß verändert, aber ein paar wache Augen bemerkten, dass die Birken weniger und die Fichten mehr wurden. Auch die Wohngebiete wurden europäischer. An vielen Stellen waren alte oder auch neue Brandwunden in den Wäldern zu sehen. Aber draußen war es düster und ziemlich frisch, wenn sich die KHGler bei den Haltepunkten die Beine vertraten. Je weiter der Tag fortschritt, desto geschäftiger wurden die KHGler. Denn die Abteile, die ihnen in den letzten vier Tagen als Wohnung gedient hatten, sollten bald geräumt werden – die transsibirische Eisenbahn kam ihrem Zielbahnhof unaufhaltsam und mit gleichbleibender Geschwindigkeit immer näher. Nach insgesamt 9000 km kamen sie alle pünktlich und wohlbehalten in Moskau an. Sie wurden von Regen empfangen. In der russischen Hauptstadt angekommen, erwartete die KHGler ein neues Abenteuer – die Moskauer Metro. Lange Gänge und steile Rolltreppen führten die Gruppe tief unter die Erde ins Reich der U-Bahnpaläste. Dort bahnten sich auch viele andere Menschen ihren Weg. Immer wieder sah man Polizisten mit riesigen Hüten. Die KHGler – mittlerweile äußerst gruppen- und ÖV-Großstadterfahren – fanden ihre U-Bahnen sehr schnell und kamen so sicher in im Hostel an. Frisch geduscht und gesättigt werden sie sich bald zur Ruhe begeben um morgen ausgeruht für neue Eindrücke zu sein. RN