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Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn Teil 1

 

Sonntag, 22.08.2010

 

Ort: Irgendwo zwischen Peking und Harbin

Impressionen einer Zugfahrt

Der heutige Tag begann für die meisten unserer Gruppe recht spät, da die Betten im zug so bequem waren, dass man hervorragend schlafen konnte – zumal es am Abend zuvor durch die späte Abfahrt recht spät wurde. Als wir aufwachten, waren wir schon ein gutes Stück gefahren und konnten nun eine wunderschöne Landschaft genießen. Wir verzehrten die ersten Teile unseres mitgebrachten Essens als Frühstück, bevor wir uns unseren mitgenommenen Büchern widmeten. Manche machten zwischendurch auch ein paar Fotos von der Landschaft und – wenn endlich eine Kurve kam – auch vom Zug. Anderen fiel durch das gleichmäßige Tuckern das Einschlafen für den Vormittagsschlaf recht leicht. Beliebt waren auch die Halte des Zuges, um kurz nach draußen zu gehen und sich die Beine an der frischen Luft zu vertreten. Als es Mittag wurde, begann die Erkundung des Zuges und nach erfolgreicher Rückkehr des Spioniertrupps die Wanderungen zum Speisewagen, um am letzten Tag, an dem die Möglichkeit auf chinesisches Essen in China bestand, noch einmal so richtig auszukosten. Auch wenn das Essen nicht auf einer Drehplatte über den Tisch kreiseln konnte, schmeckte es doch chen hao (chin. für sehr gut) und war vor allem frisch zubereitet. Alternativ gab es mitgebrachte Nudelsuppe, vergleichbar mit 5-Minuten-Terrine, für die es nur heißes Wasser zum Aufgießen und fünf Minuten Warten zum Durchziehen braucht und mit der sich alle in China ausreichend eingedeckt hatten. Zurück in unserem Wagen kam dann der Mittagsschlaf und/oder das Lesen-Landschaft anschauen-Fotos machen-Alternativprogramm. Zur gefühlten Kaffeetrinkenszeit gab es leckeren Nescafé, bei Bedarf gerne mit original Zucker von der China National Sugar & Alcohol Group oder Tee (Jasmine Tea!) Man muss dazuschreiben, dass es am Beginn des Wagens einen großen Bottich mit immer heißen Wasser gibt (Samowar), das man sich völlig frei und kostenlos jederzeit abzapfen kann – ganz ohne Bestechung der Zugbegleiterin. Mittlerweile waren einige nun auch bis in die Untiefen ihres Rucksackes und damit zum Spielevorrat vorgedrungen und so kamen noch nette Spielerunden zum Programm dazu. Immer mehr wollten mittlerweile auch die Kunst des Lösens des Zauberwürfels erlernen und so begann Jörg ebensolche Kurse zu geben. Gegen 18:30 Uhr brauchten die Füße mal wieder Auslauf und die Mägen Füllung, weshalb es wieder zum Speisewagen ging, um z.T. das gleiche wie Mittags, z.T. auch anderes Essen einzunehmen. Oder alternativ wieder die mitgebrachte Nudelsuppe zum selber kochen. Da die letzte Möglichkeit für original chinesische Speise ausgekostet werden musste und es für die Verdauung dann doch recht viel war, gab es noch eine nette Schnapsrunde, bevor nach Aufforderung unserer gerade diensthabenden Zugbegleiterin Svetlana wir uns in die Betten zum Schlafen begaben, damit wir zur Passkontrolle um 3:37 Uhr auch wieder ansprechbar waren.

 

Montag, 23.08.2010

 

Ort: Irgendwo zwischen Harbin und Chita

Der Tag begann heute begann sehr früh. Um 3 Uhr früh wurden die Wagontoiletten geschlossen und zu unserem Entsetzen stellten wir fest, dass sie erst am Nachmittag wieder geöffnet werden sollten. Um halb vier stand der Zug dann zum ersten Mal. Wir hatten die chinesische Grenze erreicht. 3 Stunden lang Passkontrolle, die wir aber verschlafen konnten und nur gelegentlich kurz aufmerken mussten um Pässe abzugeben oder wieder an sich zu nehmen. 
Gegen halb 7 rollte der jetzt verkürzte Zug weiter in Richtung russischer Grenze, die nur wenige Minuten entfernt war. Dort standen wir bis halb 3. Die Besonderheiten des anderen Landes wurden uns sehr schnell klar. Die Kontrolle gestaltete sich viel strenger. Nachdem einzelne Kontrolleure mit Hunden durch die Wagons gewandert waren, geschah wieder einige Minuten nichts. Beim Versuch, die Füße auf dem Gang auszustrecken, wurden wir sofort von unserer Wagonschaffnerin zurückgepfiffen. Dann kam die Passkontrolle. Ein zweiköpfiges Team, das von den beiden Schaffnerinnen begleitet wurde, sammelte die Reisepässe ein und musterte die Gesichter, wobei sie offensichtlich Spaß hatten, da sie gelegentlich anfingen zu kichern. „Look me!“ schallte uns im Befehlston entgegen, als die blonde Kontrolleurin uns musterte und wir sollten so da stehen, wie sie es wollte. Manche mussten Brillen aufsetzen oder Haare öffnen, damit sie dem biometrischen Bild ähnlicher waren. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die chinesische Beamtin in einem Abteil die Pässe mithilfe einer in diesem Abteilmitreisende zuteilte ;-)

Nachdem uns die Pässe abgenommen waren, hieß es wieder warten. Die Toiletten blieben verschlossen, was auf Missmut bei einigen Mitreisenden stieß, da der Morgen vorangeschritten war.
Irgendwann bekamen wir dann die Pässe wieder zurück, wobei die Kontrolleurin uns beim Namen rief und wir uns noch einmal einer kurzen Gesichtskontrolle unterziehen mussten. Jetzt zierte ein weiterer Stempel unsere Visaseiten.
Kurz darauf kam dann endlich das erlösende Kommando. Wir durften den Zug verlassen und im Bahnhofsgebäude endlich die Toiletten aufsuchen, wo sich sofort ein Stau bildete. 
Die nächsten Stunden verbrachten wir auf dem Bahnhofsgelände, während die Zugwagons in eine Halle manövriert wurden, wo die Zuggestelle ausgetauscht wurden, damit wir mit den Wagons weiterfahren konnten. Die Zeit vertrieben wir uns im Bahnhofscafé, beim Bankautomaten oder in den Läden in Bahnhofsnähe. 
Mit ein wenig Verspätung ging die Reise am Nachmittag dann weiter. Seitdem tuckern wir durch eine schöne hügelige Landschaft und genießen den sich ständig änderten Ausblick aus den Abteilfenstern. Zu unserem Bedauern, wurden die chinesischen Wagen, die sich prima zum Fotografieren geeignet hatten, an der Grenze abgehängt. 
Auch die verschiedenen Spiele und Bücher kamen wieder zum Einsatz und wir genossen das leichte Schaukeln, dass uns in den Mittagsschlaf wiegte.
Die Abendgestaltung war wieder sehr individuell, wobei sich ein feuchtfröhliches Abteil zwischen verschiedenen Schlaf- und Leseabteilen  einfand.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass im Zug einen neue Sucht unter immer mehr Mitreisenden ausbrach - die Sucht den Rubik-Würfel zu schaffen ;-)