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Irkutsk

 

Dienstag, 24.08.2010

 

Ort: Irkutsk

Liebes Reisetagebuch,

heute Morgen wurden wir von der sibirischen Sommersonne geweckt. Ein Blick aus den Abteilfenstern entschädigte allerdings das frühe Wecken. Wir waren im Baikalgebiet angekommen. Auf dem Gang der Waggons ließen sich einige Mitreisende finden, die die beeindruckende Landschaft bestaunten. Unzählige Fichten und Birken säumten die Zugstrecke. Mitunter ließen sich auch einzelne Seen und mäandrierende Flüsse bestaunen. Um Fotos von dieser beeindruckenden Landschaft zu schießen, beschlossen einige, an das Zugende zu laufen, da man von dort die besten Fotos machen kann. Mit Erstaunen mussten wir feststellen, dass wir mittlerweile der letzte Zugwaggon waren und deshalb in der Nacht einige Waggons abgehängt wurden oder schlicht und einfach in der sibirischen Weite verloren gingen. Unsere Befürchtungen, dass unser Waggon noch vor Irkutsk verloren gehen würde, bestätigten sich glücklicherweise nicht ;-)
Am Vormittag erfolgte ein Halt in Ulan Ude, was laut Reiseführer auf burjatisch „rotes Tor“ bedeutet und mit 550000 Einwohnern die heutige Hauptstadt von Burjatien ist. Der Halt am Bahnsteig wurde von uns vielfältig genutzt: zum Fladenbrot kaufen, zum Fenster putzen (um eine bessere Sicht auf die Landschaft genießen zu können) und natürlich noch, um ein Gruppenfoto vor unserem Waggon Nr. 17 zu machen. 
Gegen Mittag erfüllte ein Duft von chinesischer Tütensuppe Waggon Nr. 17. Hinzu kam ein wiederholt auftretendes ohrenbetäubendes Summen und Brummen eines Staubsaugers, der von unserer etwas launischen Zugbegleiterin Maria bedient wurde und das die gemütliche Atmosphäre in unserem mit Teppich ausgelegtem Waggon fördern sollte. 
Am Nachmittag war es dann soweit: wir erreichten mit dem Zug den Baikalsee, vielfach beschrieben als „Perle Sibiriens“ oder als „blaues Herz der Taiga“. In jeder Hinsicht ein besonderes Erlebnis und der landschaftliche Höhepunkt unserer Reise von Peking nach Irkutsk. Schließlich ist der Baikalsee mit 25 Millionen Jahren der älteste See der Erde und mit 1600 m der tiefste See der Erde. 
Nachdem sich die Begeisterung über den Baikalsee ein wenig legte und zahlreiche Fotos geschossen wurden, begriffen wir den Ernst der Lage, dass wir unsere engen aber sehr komfortablen Viererabteile noch aufräumen mussten und unsere Siebensachen in Koffer und Rucksäcke gestopft werden mussten.
Gegen Abend traf unser Zug dann in Irkutsk ein, dem „Paris des Ostens“. Zielgerichtet stellten wir uns an die Bushaltestelle vor den Bahnhof und warteten auf den Minibus Nr. 72, der uns zu unserem Baikal-Hostel brachte. Da wir mit unserem Gepäck allerdings nicht in einen einzigen Bus passten, mussten wir uns auf drei Minibusse aufteilen, so dass es etwas dauerte, bis alle am Hostel ankamen. Als wir das Hostel erreichten, erwartete uns eine Überraschung. Das Hostel war nicht groß genug für unsere 16-köpfige Gruppe und so wurden 6 Personen außerhalb des eigentlichen Hostels in eine Wohnung im 7.Stock in einer ganz anderen Ecke von Irkutsk untergebracht, was zu leichtem Unmut führte, der später allerdings beseitigt wurde. 
Der Abend endete dann mit dem Verzehr von frisch eingekauftem Brot, Wurst, Käse, Bier und Wodka, was zu einem gemütlichen Ausklangs des Abends führte.

 

Mittwoch, 25.08.2010

 

Ort: Irkutsk

Nach einer für die meisten leider nicht erholsamen Nacht Dank durchgelegener Hängematten-artiger Betten (im Gegensatz zu den eher harten Betten in China, die wir nun gewohnt waren), frühstückten wir das im Hostel vorhandene Weißbrot mit Marmelade. Anders als in den vorhergehenden Hostels macht hier jeder sein Essen selbst, kann eigene Lebensmittel mit Beschriftung in der Küche lagern, in der auch die Möglichkeit zum Kochen besteht.

Um 9 Uhr trafen wir uns wieder als vollständige Gruppe an der Bushaltestelle und fuhren in das Stadtzentrum von Irkutsk. Hier teilten wir uns wieder auf und erkundeten in Kleingruppen die Stadt: die Fußgängerzone, interessante Bauwerke, die Touristinformation, unterschiedliche Kirchen, das Einkaufzentrum, probierten „Kwas“, ein typisches, russisches Erfrischungsgetränk oder schlenderten über den Zentralmarkt mit jeder Menge frischem Obst und Gemüse.
Eine Gruppe war auch schon am Hafen an der Angara, um Informationen über eine mögliche Fahrt mit dem Tragflächenboot einzuholen.

Abends trafen wir uns direkt in der Stadt zum gemeinsamen Abendessen. Wir entschieden uns für ein Selbstbedienungsrestaurant mit russischem Essen und waren froh, nach tagelangem „Transsib-Essen“ einmal wieder etwas „Richtiges“ zu bekommen. 
Anschließend machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg, um noch bei Helligkeit in den Hostelzimmern anzukommen. Ein Laptoptransport mit Laptop- und Bodygards ermöglichte uns nun, die Homepage weiter zu vervollständigen. 
Bei gemütlichen Beisammensein (leider jede Gruppe an ihrem Hostelort) ließen wir den Abend ausklingen und machten noch Bekanntschaft mit einer deutschen Hostelmitbewohnerin.

 

Donnerstag, 26.08.2010

 

Ort: Irkutsk

Heute wollten wir eigentlich nach Listvjanka an den Baikalsee. Leider erwies sich das Unterfangen aber schwieriger als gedacht, da für die Anreise per Boot keine Tickets gekauft werden konnten und am Busbahnhof zu wenig Tickets für den Bus noch kaufbar waren. So ging ein kleiner Teil der Gruppe zum See, während der Rest in der Stadt Kirchen besichtigte oder sich einen schönen Tag im Botanischen Garten machte. Leider mussten wir in diesen Tagen immer wieder feststellen, dass es in Irkutsk kaum englisch sprechende Menschen gab, so dass wir uns viel mit Händen und Füßen verständigen müssen. Das ist eine neue Erfahrung gegenüber China, die aber auch immer wieder lustige und erheiternde Situationen auf beiden Seiten hervorruft. So zum Beispiel der Versuch Wasserflaschen zu kaufen indem man der Verkäuferin die gewünschte Ware in der Theke hinter der Kasse mit der Hand deutet und sie dann mit dieser zum Ziel dirigiert und über Zettel oder Taschenrechner die Preise in Erfahrung bringt, da wir die Zahlen ebenso wenig wie die meisten anderen Wörter verstehen.
Am Nachmittag gab es dann doch noch die freudige Überraschung. Zwei engagierte Reisende hatten es geschafft, Bootstickets für die Fahrt zum Baikalsee für die ganze Mannschaft zu organisieren, sodass das Unternehmen am nächsten Tag doch noch durchgeführt werden konnte.
Am Abend trafen sich alle in der viel zu kleinen Küche unseres Hostels um gemeinsam selbstgekochte Nudeln mit Gemüse zu verzehren. Die Nudeln mussten dabei aus Mangel an großen Töpfen in vier kleinen Portionen zubereitet werden. Es war noch ein schöner Abend.

 

Freitag, 27.08.2010

 

Ort: Irkutsk

Um 6:08 Uhr am Morgen sind wir aufgewacht und nach einer schnellen Dusche gingen wir zur Bushaltestelle. Um 7:49 Uhr sind wir als erste Gästegruppe an dem kleinen Bootshafen angekommen. Kein anderer war da und die Türe noch zu, wir wurden nur von zwei Hunden empfangen, die Essen von uns erwarteten.  Es war ziemlich kalt und hat geregnet. Viele von uns versteckten sich zu dritt oder  viert unter einem Schirm, um sich zu erwärmen. Endlich kam das Boot um 9:10 Uhr um uns zum Baikalsee, genauer in die Hafenstadt Listvjanka, zu fahren.

90 Minuten später kam wir an. Wir haben uns in einige kleine Gruppen verteilt, damit jeder eine gleiche Interessensgruppe hatte. Wegen der dunklen Wolken und des Regens war der Baikalsee nicht so klar und gut zu sehen. Klar zu sehen waren aber die zahlreichen Souvenirs an den verschiedenen Marktständen, die wir selbstverständlich kräftig durch unsere Einkäufe unterstützten. Wir haben auch die kleine orthodoxe Kirche Listvjankas besichtigt, um 15:00 Uhr fuhren wir dann mit dem Bus zurück nach Irkutsk und machten uns einen gemütlichen Abend im Hostel bei frisch gekauftem geräuchertem Fisch, Fladenbrot, Käse, Wurst und Rotwein.

 

Samstag, 28.08.2010

 

Ort: Irkutsk

Schon beim Aufstehen heute war klar: Der Tag heute verspricht warm und vor allem viel Sonne! Da der Tag für jeden zur freien Verfügung stand, wurde das auch ordentlich ausgenutzt: Nach einem etwas längeren Ausschlafen fuhr ein Teil unserer Gruppe zum Baikalsee. Glücklicherweise war es kein Problem, einen Minibus nach Listvjanka zu chartern, allerdings war es etwas eng (3 Leute auf 2 Plätzen), aber Quetschungen aufgrund von Busfahrten sind wir ja schon gewohnt. Der Fahrstil war auch interessant, vor allem rasant und das bei einer ziemlichen Berg- und Talfahrt. Es hat sich aber gelohnt: Wir wurden am Baikalsee mit einer herrlichen Aussicht, blauem Himmel zwischen den Wolken, Bergen am Uferende und einer auf dem Wasser sich spiegelnden Sonne entschädigt. Einfach herrlich. Manche wagten sogar einen Sprung ins Wasser (und waren genauso schnell wieder draußen, es war dann doch sehr kalt.) Spaziergänge am Ufer waren aber kein Problem.
Andere nutzten den Tag, um Irkutsk weiter zu erkunden: Sie besuchten einen orthodoxen Gottesdienst oder sahen eine Karateshow beim Denkmal Kaiser Alexander III.
Um 18 Uhr trafen wir uns alle, um gemeinsam essen zu gehen. Wir wählten wieder unser nettes Selbstbedienungsrestaurant, da das Essen dort gut war und die Bedienungen sogar englisch sprechen. Danach gingen die meisten noch Vorräte für die Transsibirische Eisenbahn einkaufen, um morgen wieder gut gerüstet einsteigen zu können.